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FLUDT - „Blasenentzündungen bei der Katze“

Wenn eine Katze aus Sicht des Laien Anzeichen einer Blasenentzündung zeigt, kommt als Ursache viel mehr in Betracht, als nur eine bakteriell bedingte Blasenentzündung. Daher werden alle Erkrankungen, die sich in häufigem Urinieren (Polakissurie), schmerzhaftem Absetzen nur kleiner Urinmengen (Strangurie oder Dysurie), Blut im Urin (Hämaturie), Harnabsatz an unerwünschten Stellen oder Pressen auf Harn ohne jedes Absetzen von Harn (Harnröhrenobstruktion) äußern, unter der Bezeichnung FLUTD (feline lower urinary tract disease) zusammengefasst.


Ursachen

Die wichtigsten Ursachen von FLUTD sind die idiopathische Zystitis, Harnsteine, kristalline oder nicht kristalline Entzündungspfröpfe in der Harnröhre und bakterielle Harnwegsinfektionen. Diese werden im Weiteren näher ausgeführt. Seltenere Ursachen sind angeborene oder erworbene anatomische Abnormalitäten, Verhaltensstörungen und Tumoren des Harntraktes.


Bakterielle Harnwegsinfektionen

Der Anteil an bakteriellen Harnwegsinfektionen bei Katzen mit FLUTD variiert je nach Studie von weniger als 1% bis zu 18%. Es handelt es sich also um einen deutlich geringen Prozentsatz der Fälle, als man annehmen könnte. Während bei jungen Katzen eine bakterielle Harnwegsinfektion eher selten ist, kommt dies mit zunehmendem Alter häufiger vor. Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes mellitus, CNI (chronische Niereninsuffizienz) oder eine Hyperthyreose wirken sich prädisponierend aus. Nachdem bei optimaler Vorgehensweise der Beweis für das Vorhandensein einer bakteriellen Infektion durch Anlegen einer Kultur erbracht ist, kann die bakterielle Zystitis mit Antibiotika erfolgversprechend behandelt werden.


Kristallurie / Urolithiasis

Man versteht hierunter das Vorhanden sein von Kristallen im Harn (Kristallurie) aus welchen bei längerfristigem Bestehen auch Harnsteine Urolithiasis) entstehen können. Sie bestehen in über 90% der Fälle entweder aus Struvit (Magnesium-Ammonium-Phosphat / MAP), oder aus Calcium-Oxalat. Selten kommen Uratsteine oder Cystinsteine vor. Während man aus Struvit bestehende Kristalle und Steine durch spezielle Diäten oder Medikamente oft sogar auflösen kann, ist dies bei allen anderen nicht möglich. Ein Wiederauftreten des Problems sollte aber unbedingt in jedem Fall durch alleinige Fütterung der auf die Kristallart abgestimmten Diät verhindert werden. Nicht-Struvit-Steine und größere Steine, welche die Gefahr bergen, die Harnröhre zu verstopfen, müssen immer operativ entfernt werden. Eine Verlegung / Verstopfung der Harnröhre ist eine gefürchtete Komplikation.


Idiopathische Zystitis

Das medizinische Fachwort idiopathisch bedeutet übersetzt, die Ursache ist nicht bekannt, alle bekannten Ursachen sind durch Untersuchungen ausgeschlossen worden. So handelt es sich auch bei der idiopathischen Zystitis um eine Diagnose, die nach Ausschluss aller anderen Ursachen (mittels Urinanalyse und -kultur, Blutanalyse und bildgebender Verfahren) gestellt wird. Bei über der Hälfte der Katzen (55-69%) mit FLUTD liegt eine idiopathische Zystitis vor. Bei betroffenen Katzen ist eine gesteigerte Produktion von Stoffen, die bei Stress ausgeschüttet werden, festgestellt worden. Daher sollte diese Krankheit nicht als reine Harnblasenproblematik betrachtet werden. Oft kommt es therapieunabhängig nach 2 bis 3 Tagen zu einem spontanen Verschwinden der Symptome, jedoch haben 40 - 50% der Katzen innerhalb des nächsten Jahres ein oder mehrere Rezidive.


Therapeutische Maßnahmen sind:

- Veränderung des Umfeldes zur Reduzierung von Stress
- Steigerung der Wasseraufnahme
- gezielte medizinische Diät
- Pheromontherapie
- Schmerztherapie
- Spasmolytika (Medikamente zum Entkrampfen der Muskulatur)
- Antidepressiva als letzte Möglichkeit


Harnröhrenobstruktion

Die Harnröhrenobstruktion ist eine gefürchtete Komplikation, da die Tiere keinen Urin mehr absetzen können und daran sterben, wenn man ihnen nicht hilft. Es handelt sich also um einen absoluten Notfall.

Ein Pfropf (im schlimmsten Fall auch mehrere), der aus Entzündungsprodukten, oft auch aus Kristallen oder kleineren Steinchen besteht, verstopft die Harnröhre. Dies kommt fast ausschließlich beim Kater vor, da seine Harnröhre viel enger ist. Die Diagnose erfolgt mittels der klinischen Untersuchung, Röntgen und Ultraschall sind aber ergänzend wichtig, um mögliche Steine bildlich darzustellen und Auskunft über den Zustand der Harnblase und die Beschaffenheit des Harns darin geben zu können. Dies ist für den weiteren Behandlungsverlauf und die Prognose wichtig. Eine Urinuntersuchung muss später Aufschluss über die Ursache geben.

Die Notfallbehandlung muss zunächst den Abfluss durch Spülen und ggf. Legen eines Katheters wieder herstellen, sowie die Stabilisierung des Patienten zum Ziel haben. In der Regel ist hierzu eine Narkose notwendig. Geht es dem Patienten sehr schlecht, muss die Dauer der Narkose möglichst kurz gehalten werden. Dann ist es möglich, dass weitere „Spülungen" der Blase zu einem späteren Zeitpunkt notwendig werden, wenn die Narkose weniger Risiko birgt.

Als prädisponierende Faktoren gelten Übergewicht, Bewegungsmangel (daher häufiger bei Wohnungskatzen) und ausschließliche Fütterung von Trockenfutter.

Die mittelfristige und langfristige Behandlung erfolgt entsprechend der Ursache nach Urinanalyse (siehe oben). Die Rezidivrate ist relativ hoch. Sehr selten ist bei häufigen Rezidiven eine Operation notwendig, welche einen künstlichen Ausgang der Harnröhre schafft (perineale Urethrostomie).

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Ihre Kleintierklinik am Landratsamt
Dr. H. Scholl, J. Fritz, Dr. S. Dahnken'




(Quellen: R. Dorsch, Referat des 52. Jahreskongress der DGK-DVG; S. Schmitz u. R. Nickel, jeweils Referate des 4. Giessener Wintersymosiums der Klinik für Kleintiere)

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